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HerzZeit vs. HerzSutraein Koan



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Atemwege



Von den vielen Ungerechtigkeiten und Beleidigungen, denen ich bisher ausgesetzt war, sind mir am schlimmsten immer die Du mir zugefügt hast - auch weil ich sie nicht mit Verachtung oder Gleichgültigkeit beantworten kann, weil ich mich nicht schützen kann dagegen, weil mein Gefühl für Dich immer zu stark bleibt und mich wehrlos macht.
(Ingeborg Bachmann)

Köln, Am Hof

Herzzeit, es stehn
die Geträumten für
die Mitternachtsziffer.einiges ging seiner Wege.
Verbannt und Verloren
waren daheim.

Ihr Dome.

Ihr Dome ungesehn,
ihr Ströme unbelauscht,
ihr Uhren tief ins uns.


(Paul Celan: Köln, Am Hof)

Lesen Sie! Immerzu lesen, das Verständnis kommt von selbst.
(Paul Celan)

Die Geträumten, Ausschnitt

Die Pāramitā der großen Weisheit

Wenn der Bodhisattva Avalokiteśvara
die tiefe Prajñāpāramitā praktiziert,
das andere Ufer
der großen intuitiven Weisheit erreicht,
sieht sein ganzer Körper deutlich,
dass die fünf Seinselemente
vollkommen leer sind.

Die fünf Seinselemente sind
Körper, Sinne,
Denken, Wirken
und Bewusstsein.
Sie sind die fünf Arten von Prajñā,
der intuitiven Weisheit.
»Deutlich sehen« ist Prajñā selbst.
Wenn diese Wahrheit gelehrt
und verwirklicht wird, sagen wir:
»Form ist nichts anderes als Leerheit
und Leerheit ist nichts anderes als Form.«

Form ist Form und Leerheit ist Leerheit.

Form und Leerheit offenbaren sich
in den hundert konkreten Dingen
und den zehntausend Phänomenen.


(Meditation über Dogens "Makahannya haramitsu", wRoo 10/2018)

 

Das Herz der vollkommenen Weisheit Sutra

Avalokitesvara Bodhisattva, in tiefste Weisheit versenkt,
erkannte, daß die fünf Skandhas
leer sind und verwandelte damit
alles Leid und allen Schmerz.

Sariputra!
Form ist nichts anderes als Leere,
und Leere ist nichts anderes als Form.
Form ist identisch mit Leere
und Leere ist identisch mit Form.

Und so ist es auch mit Empfindung,
Wahrnehmung, geistiger Formkraft
und Bewußtsein.

(Herz-Sutra)

Ich grab mich dir zu.
(Paul Celan)

Herzzeit 2.0

leerHeit

Alle Dinge sind in Wahrheit leer.

Nichts entsteht und nichts vergeht.

Nichts ist unrein, nichts ist rein.

Nichts vermehrt sich
und nichts verringert sich.

Es gibt in der Leere keine Form,
keine Empfindung, keine Wahrnehmung,
keine geistige Formkraft
und kein Bewußtsein,
keine Augen, keine Ohren,
keine Nase, keine Zunge,
keinen Körper oder Geist;
es gibt nichts zu sehen,
hören, riechen,
schmecken, fühlen
oder denken,
keine Unwissenheit
und auch kein Ende der Unwissenheit,
kein Altern und keinen Tod,
noch deren Aufhebung,
kein Leiden und keine Ursache des Leidens,
kein Auslöschen und keinen Weg der Erlösung,
keine Erkenntnis und auch kein Erreichen.

(Herz-Sutra)

Herzstein



freiHeit

Weil es nichts zu erreichen gibt,
leben Bodhisattvas Prajna Paramita
und ihr Geist ist unbeschwert
und frei von Angst.

Befreit von allen Verwirrungen,
allen Träumen und Vorstellungen,
verwirklichen sie vollständiges Nirvana.

Alle Buddhas der Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft
leben Prajna Paramita
und erreichen damit die höchste Erleuchtung.

Erkenne deshalb,
daß Prajna Paramita das große Mantra ist,
das strahlende Mantra,
das unübertroffene Mantra,
das höchste Mantra,
das alles Leiden stillt.

Dies ist die Wahrheit,
die Wahrheit ohne Fehl.

(Herz-Sutra)

Aber das Gedicht spricht ja! Es bleibt seiner Daten eingedenk, aber – es spricht. Gewiß, es spricht immer nur in seiner eigensten, allereigensten Sache. Aber ich denke – und dieser Gedanke kann Sie jetzt kaum überraschen –, ich denke, daß es von jeher zu den Hoffnungen des Gedichts gehört, gerade auf diese Weise auch in fremder – nein, dieses Wort kann ich jetzt nicht mehr gebrauchen –, gerade auf diese Weise in eines Anderen Sache zu sprechen – wer weiß, vielleicht in eines ganz Anderen Sache.
(Paul Celan)

Ich möchte der sein, der ich bin.

Und ich frage mich eben, wer bin ich für Dich, wer nach soviel Jahren? Ein Phantom, oder eine Wirklichkeit, die einem Phantom nicht mehr entspricht. Denn für mich ist viel geschehen und ich möchte der sein, der ich bin, heute, und nimmst Du mich heute wahr? Das eben weiss ich nicht, und das macht mich verzweifelt.
(Ingeborg Bachmann: Herzzeit. S. 153 f.)

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