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HerzZeit vs. HerzSutraein Koan



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Atemwende



Von den vielen Ungerechtigkeiten und Beleidigungen, denen ich bisher ausgesetzt war, sind mir am schlimmsten immer die Du mir zugefügt hast - auch weil ich sie nicht mit Verachtung oder Gleichgültigkeit beantworten kann, weil ich mich nicht schützen kann dagegen, weil mein Gefühl für Dich immer zu stark bleibt und mich wehrlos macht.
(Ingeborg Bachmann)

In Ägypten

Du sollst zum Aug der Fremden sagen: Sei das Wasser.
Du sollst, die du im Wasser weißt, im Aug der Fremden suchen.
Du sollst sie rufen aus dem Wasser: Ruth! Noemi! Mirjam!
Du sollst sie schmücken, wenn du bei der Fremden liegst.
Du sollst sie schmücken mit dem Wolkenhaar der Fremden.
Du sollst zu Ruth und Noemi und Mirjam sagen:
Seht, ich schlaf bei ihr!
Du sollst die Fremde neben dir am schönsten schmücken.
Du sollst sie schmücken mit dem Schmerz um Ruth, um Mirjam
und Noemi.

Du sollst zur Fremden sagen:
Sie, ich schlief bei diesen!


(Paul Celan: In Ägypten)

Lesen Sie! Immerzu lesen, das Verständnis kommt von selbst.
(Paul Celan)

Bruder-Klaus-Kapelle

Die alles umfassende intuitive Weisheit

Meister Dōgen erläutert seine Auslegung des Prajñāpāramitā-Hṛdaya-Sūtras. Hṛdaya bedeutet »Herz«. Dieses kurze Sūtra, das auch »Herz-Sūtra« genannt wird, ist das Herz oder die Essenz der sechshundert Bände des Mahāprajñāpāramitā-Sūtras. Obwohl es sehr kurz ist, enthält das Herz-Sūtra das wichtigste Prinzip der Buddha-Lehre. Dieses Prinzip – Prajñā oder wahre Weisheit – ist eine intuitive Fähigkeit, die alle Menschen haben und im täglichen Leben benutzen, und die sich offenbart, wenn sich Körper und Geist im harmonischen Gleichgewicht befinden.
Im Allgemeinen denken wir, Weisheit beruhe auf Wissen und Kenntnissen, aber im Buddha-Dharma basiert weises Handeln nicht auf dem Intellekt, sondern auf der Intuition.
Die richtigen Entscheidungen im Leben werden im richtigen Zustand von Körper und Geist getroffen. Dieser Zustand ist dann gegeben, wenn Körper und Geist ausgeglichen und harmonisch sind.
Mahāprajñāpāramitā ist also die Weisheit, die wir haben, wenn unser Körper und unser Geist im Gleichgewicht sind.
Zazen ist die Praxis, durch die wir, unmittelbar und intuitiv, diesen Zustand des Gleichgewichts erfahren können.


(G W Nishijima: Einweisung in Dogens Pāramitā der großen Weisheit)

 

Das Herz der vollkommenen Weisheit Sutra

Avalokitesvara Bodhisattva, in tiefste Weisheit versenkt,
erkannte, daß die fünf Skandhas
leer sind und verwandelte damit
alles Leid und allen Schmerz.

Sariputra!
Form ist nichts anderes als Leere,
und Leere ist nichts anderes als Form.
Form ist identisch mit Leere
und Leere ist identisch mit Form.

Und so ist es auch mit Empfindung,
Wahrnehmung, geistiger Formkraft
und Bewußtsein.

(Herz-Sutra)

Zwei Menschen sind in mir, einer versteht den anderen nicht.
(Paul Celan)

Herzzeit 2.0

leerHeit

Alle Dinge sind in Wahrheit leer.

Nichts entsteht und nichts vergeht.

Nichts ist unrein, nichts ist rein.

Nichts vermehrt sich
und nichts verringert sich.

Es gibt in der Leere keine Form,
keine Empfindung, keine Wahrnehmung,
keine geistige Formkraft
und kein Bewußtsein,
keine Augen, keine Ohren,
keine Nase, keine Zunge,
keinen Körper oder Geist;
es gibt nichts zu sehen,
hören, riechen,
schmecken, fühlen
oder denken,
keine Unwissenheit
und auch kein Ende der Unwissenheit,
kein Altern und keinen Tod,
noch deren Aufhebung,
kein Leiden und keine Ursache des Leidens,
kein Auslöschen und keinen Weg der Erlösung,
keine Erkenntnis und auch kein Erreichen.

(Herz-Sutra)

Gegen-Bilder



freiHeit

Weil es nichts zu erreichen gibt,
leben Bodhisattvas Prajna Paramita
und ihr Geist ist unbeschwert
und frei von Angst.

Befreit von allen Verwirrungen,
allen Träumen und Vorstellungen,
verwirklichen sie vollständiges Nirvana.

Alle Buddhas der Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft
leben Prajna Paramita
und erreichen damit die höchste Erleuchtung.

Erkenne deshalb,
daß Prajna Paramita das große Mantra ist,
das strahlende Mantra,
das unübertroffene Mantra,
das höchste Mantra,
das alles Leiden stillt.

Dies ist die Wahrheit,
die Wahrheit ohne Fehl.

(Herz-Sutra)

Sind diese Wege nun Umwege, Umwege von dir zu dir? Aber es sind ja zugleich auch, unter wie vielen anderen Wegen, Wege, auf denen die Sprache stimmhaft wird, es sind Begegnungen, Wege einer Stimme zu einem wahrnehmenden Du, kreatürliche Wege, Daseinsentwürfe vielleicht.
(Paul Celan)

Weil ich mich nicht schützen kann.

Von den vielen Ungerechtigkeiten und Beleidigungen, denen ich bisher ausgesetzt [war,] sind mir am schlimmsten immer die Du mir zugefügt hast - auch weil ich sie nicht mit Verachtung oder Gleichgültigkeit beantworten kann, weil ich mich nicht schützen kann dagegen, weil mein Gefühl für Dich immer zu stark bleibt und mich wehrlos macht.
(Ingeborg Bachmann: Herzzeit. S. 153)

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